UPDATE – WARUM DIE DIGITALE GESELLSCHAFT EIN NEUES BETRIEBSSYSTEM BRAUCHT


UPDATE – WARUM DIE DIGITALE GESELLSCHAFT EIN NEUES BETRIEBSSYSTEM BRAUCHT

„Die Welt ist kaputt.“ So plakativ und eindrücklich beginnt Joel Luc Cachelin,1 Leiter des thinktanks Wissensfabrik in der Schweiz, sein kleines Büchlein.

Update beschreibt die Situation unserer Gesellschaft vor dem Hintergrund des rasanten digitalen Wandels. Wir stehen vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Cachelins Befund: Wir brauchen ein neues „Betriebssystem“ – ein Upgrade dessen -, um die aktuelle Komplexität und Dynamik, die digitalen Verwerfungen, meistern zu können. Wir befinden uns am Anfang des Umzugs in den digitalen Raum. Technologische und ökonomische Fortschritte wirken gnadenlos. Aber das Betriebssystem unserer Gesellschaft ist veraltet. Wagen wir nicht rasch mutige Reformen, droht der Kollaps.

Mit gesellschaftlichem Betriebssystem ist die Art und Weise gemeint, wie wir mit den aktuell und zukünftig zu lösenden Problemen umgehen. Die Komplexität wird in kleine Arbeitspakete zerlegt, um sie bearbeiten zu können. Überall dort, wo wir als Gemeinschaft Geld ausgeben – für soziale Sicherheit, Bildung, Unterstützung der Wirtschaft, Verwaltung usw. – zeigt sich die Wirkweise unseres Betriebssystems.

Zunächst liefert Cachelin verschiedene Belege dafür, warum das jetzige System nicht mehr funktioniert. Wenn sich die Komplexität der Umwelt nicht mehr abbilden lässt, wenn Menschen ausgeschlossen werden, wenn ein System unaufhörlich neue Knappheiten schafft, wenn es kein Vertrauen genießt – die Veränderungsnotwendigkeit zeigt sich an allen Ecken und Enden. Das vorhandene Betriebssystem ist nicht mehr ausreichend, um die anstehenden Probleme zu lösen. Und: es ist nicht mehr imstande, die Potenziale unserer Gesellschaft freizusetzen. „… wir brauchen neue Hilfsmittel, um die Intelligenz, Kreativität, Daten, Fähigkeiten und Netzwerke unserer Gemeinschaft besser zu nutzen.“

„Die digitale Transformation ist die neue Metaerzählung. Sie schildert den Umzug der Menschheit in den digitalen Raum.“
Dadurch ändert sich immens viel: Der Mensch wird zum Cyborg, der sein Habitat in den digitalen Raum erweitert. Vernetzte Geräte, intelligente Kontaktlinsen, digitale Gehirne, Biochips unter der Haut, Nanoroboter in den Blutbahnen sowie konzentrations- und kreativitätsfördernde Psychopharmaka erneuern das menschliche Wesen. Diese Vernetzung vereint alle Bewohner des Planeten in derselben Gesellschaft. Gemeinsam bringen wir neue Lebensformen hervor. Es gibt kein Sie und Wir mehr. Wir sind alle wir.

Cachlin liefert zahlreiche Impulse für zukunftsweisende Veränderungen und Vorhaben in verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereichen von der Infrastruktur über die Verwaltung, Wirtschaftsförderung und Bildung bis zu Gemeinschaftsdienst und Religion. Damit zeigt er wichtige Ausgangs- und Ansatzpunkte mit Hebelwirkung für das gesellschaftliche Update – eine umfassende Diskussionsgrundlage mit deutlicher Handlungsorientierung.

„Verlangt wird in einer Demokratie ein offenes Betriebssystem. So kann keine Elite das Betriebssystem in Eigenregie entwickeln: Vielmehr können wir alle mitwirken – sei es durch freie Meinungsäusserung, sei es durch Abstimmungen, Demonstrationen, Wahlen oder die Gründung von Unternehmen.“

Eine Fachlektüre, die auch für Schnellleser geeignet ist.

1 Cachelin, Joel Luc: Update – Warum die digitale Gesellschaft ein neues Betriebssystem braucht, Bern 2017, 2. Aufl.

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